Ich hatte schon vor Ewigkeiten angekündigt, wie sehr ich es liebe, mich über Euphemismen auszulassen, und heute ist endlich ein passender Anlass dafür. Und weil's so schön ist, beginne ich gleich mit einem von meiner persönlichen Top-10-Liste der schönsten Euphemismen.
Das Wort des Tages lautet: "Personenschaden".
"Personenschaden" ist ein Wort, das unwillkürlich an "Wildschaden" erinnert, und auch genau so verwendet wird: Nämlich dann, wenn eine Person vor einen fahrenden Zug gelaufen ist. Meist vorsätzlich.
"Der Zug hat Verspätung wegen Personenschaden" heißt daher meist so viel wie: "Der Zug hat Verspätung, weil jemand vor den Zug gesprungen ist und wir gerade dabei sind, seine Überreste mit dem Hochdruckreiniger aus dem Fahrwerk zu sprühen."
Nahe verwandt übrigens: "Sie ist vor den Zug gegangen." Was eine ungleich harmlosere Beschreibung ist als "Sie hat beschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen, und dabei noch einen unschuldigen Zugfahrer zu traumatisieren, indem sie ihm bei voller Fahrt vor den Zug gesprungen ist."
Zu den nennenswerten Zahlen und Fakten: Allein in Deutschland finden im Durchschnitt jede Woche 15 Schienensuizide statt, mit einer leichten Häufung im April und September sowie an Montagen und Dienstagen. Im Laufe seiner Dienstzeit erlebt ein durchschnittlicher deutscher Lokführer 2 bis 3 Suizide. Etwa jeder elfte Zugführer macht ein Mal im Leben eine schwere posttraumatische Belastungsstörung durch, ein Drittel davon bleibt dauerhaft arbeitsunfähig. Die Deutsche Bahn unterhält ein eigenes Sanatorium für Lokführer, die durch Schienensuizide traumatisiert wurden.
Den Euphemismus gibt es übrigens aus demselben Grund, aus dem man auch trotz der erschreckend hohen Anzahl solcher Fälle so selten davon hört: Weil aus Angst vor Nachahmungen bewusst nicht darüber berichtet wird -- siehe Werther-Effekt.
Nicht, dass die Euphemismen-Tretmühle nicht ohnehin schon längst zugeschlagen hätte. Der neue Begriff lautet daher jetzt "Notarzteinsatz am Gleis". Und bedeutet immer noch "Zusammenkratzen von Leichenteilen".
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Sunday, February 13, 2011
Monday, January 11, 2010
Aufenthaltspflicht
Euphemismus: "Aufenthaltspflicht" (bzw. "Anwesenheitspflicht")
Unbeschönigter Sachverhalt: Arrest, Freiheitsentzug
lG Birgit
Unbeschönigter Sachverhalt: Arrest, Freiheitsentzug
lG Birgit
Friday, January 1, 2010
Tendenzen
Aussage: "Er wird immer schlechter."
Euphemistische Formulierung derselben Aussage: "Bei ihm scheint die Formtendenz nach unten zu zeigen."
Vielen Dank an die Moderatoren des Neujahrsspringens für diese tolle Wortspende.
lG Birgit
Euphemistische Formulierung derselben Aussage: "Bei ihm scheint die Formtendenz nach unten zu zeigen."
Vielen Dank an die Moderatoren des Neujahrsspringens für diese tolle Wortspende.
lG Birgit
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Euphemismen,
Humor (im weitesten Sinne),
Sport
Thursday, December 3, 2009
Euphemismen
Jeder Mensch hat so seine Vorlieben und Abneigungen. Eine meiner ganz großen kleinen Leidenschaften gilt den Euphemismen. Und ich wollte ihnen schon lange in diesem Blog ein wenig Raum widmen.
Um Wikipedia zu zitieren: "Der Euphemismus (deutsch auch: Hehlwort, Hüllwort, Beschönigung, Verbrämung) (latinisierte Form des griechischen ευφημισμός, von altgriechisch euphemi „schönreden, beschönigen“) bezeichnet Wörter oder Formulierungen, die einen Sachverhalt beschönigend, verhüllend oder verschleiernd darstellen."
Meiner bescheidenen Meinung nach sind Euphemismen eine eigene, leider etwas verkannte, Kunstform.
Die meisten Menschen verwenden diese kleinen Beschönigungen ganz alltäglich, ohne es überhaupt noch zu bemerken. Beispielsweise haben wir in Graz schon lange keine Irrenanstalt mehr, sondern nur noch ein Sondernervenkrankenhaus. Und gerade darin, wofür wir Euphemismen verwenden, zeigt sich so schön, was wir in unserer Gesellschaft alles nicht wahrhaben wollen.
Die zweite Art von Euphemismen sind diejenigen, die nicht zur Verschleierung der Realität zur persönlichen Beruhigung dienen, sondern uns im Namen der sogenannten Political Correctness aufoktroyiert werden. (Auch das ist übrigens im weitesten Sinne ein Euphemismus, in Form der Ersetzung eines unliebsamen Wortes durch dasselbe Wort in einer fremden Sprache. Man kann ja kaum sagen, die hochgelobte Political Correctness würde einem aufgezwungen werden.)
Die neigen dann dazu, im Laufe der Zeit den negativen Beigeschmack des ursprünglichen Wortes zu übernehmen. Wodurch man dann wieder neue Euphemismen dafür erfinden muss. Dieses Phänomen nennt man dann die Euphemismen-Tretmühle. Bekanntestes Beispiel: "Neger", was ersetzt wurde durch "Schwarzer", was ersetzt wurde durch "Farbiger", was ersetzt wurde durch "Afro-Amerikaner"/"Afro-Europäer", was ersetzt wurde durch "Dunkelhäutiger", was ersetzt wurde durch wasweißichwas. (Natürlich hat nichts davon was am eigentlichen Problem geändert, nämlich der natürlichen Tendenz des Menschen, sich zu einem intoleranten Pack zusammenzurotten. Siehe auch: Minarettverbot in der Schweiz.)
Wie auch immer, es wird in Zukunft immer wieder einmal kleine Beiträge über den einen oder anderen schönen Euphemismus geben. (Und die Dysphemismen werden auch nicht zu kurz kommen.)
lG Birgit
P.S.: Zur Klarstellung: Ich habe nichts gegen Political Correctness. Ich mag's nur nicht, wenn sie als Allheilmittel angepriesen wird.
Um Wikipedia zu zitieren: "Der Euphemismus (deutsch auch: Hehlwort, Hüllwort, Beschönigung, Verbrämung) (latinisierte Form des griechischen ευφημισμός, von altgriechisch euphemi „schönreden, beschönigen“) bezeichnet Wörter oder Formulierungen, die einen Sachverhalt beschönigend, verhüllend oder verschleiernd darstellen."
Meiner bescheidenen Meinung nach sind Euphemismen eine eigene, leider etwas verkannte, Kunstform.
Die meisten Menschen verwenden diese kleinen Beschönigungen ganz alltäglich, ohne es überhaupt noch zu bemerken. Beispielsweise haben wir in Graz schon lange keine Irrenanstalt mehr, sondern nur noch ein Sondernervenkrankenhaus. Und gerade darin, wofür wir Euphemismen verwenden, zeigt sich so schön, was wir in unserer Gesellschaft alles nicht wahrhaben wollen.
Die zweite Art von Euphemismen sind diejenigen, die nicht zur Verschleierung der Realität zur persönlichen Beruhigung dienen, sondern uns im Namen der sogenannten Political Correctness aufoktroyiert werden. (Auch das ist übrigens im weitesten Sinne ein Euphemismus, in Form der Ersetzung eines unliebsamen Wortes durch dasselbe Wort in einer fremden Sprache. Man kann ja kaum sagen, die hochgelobte Political Correctness würde einem aufgezwungen werden.)
Die neigen dann dazu, im Laufe der Zeit den negativen Beigeschmack des ursprünglichen Wortes zu übernehmen. Wodurch man dann wieder neue Euphemismen dafür erfinden muss. Dieses Phänomen nennt man dann die Euphemismen-Tretmühle. Bekanntestes Beispiel: "Neger", was ersetzt wurde durch "Schwarzer", was ersetzt wurde durch "Farbiger", was ersetzt wurde durch "Afro-Amerikaner"/"Afro-Europäer", was ersetzt wurde durch "Dunkelhäutiger", was ersetzt wurde durch wasweißichwas. (Natürlich hat nichts davon was am eigentlichen Problem geändert, nämlich der natürlichen Tendenz des Menschen, sich zu einem intoleranten Pack zusammenzurotten. Siehe auch: Minarettverbot in der Schweiz.)
Wie auch immer, es wird in Zukunft immer wieder einmal kleine Beiträge über den einen oder anderen schönen Euphemismus geben. (Und die Dysphemismen werden auch nicht zu kurz kommen.)
lG Birgit
P.S.: Zur Klarstellung: Ich habe nichts gegen Political Correctness. Ich mag's nur nicht, wenn sie als Allheilmittel angepriesen wird.
Wednesday, November 18, 2009
Firmenerfolg
Hier eine Anregung für alle Firmen, die noch schöne Formulierungen für ihre Jahresergebnisse brauchen:
"Unsere heurigen Zahlen sind wesentlich besser, als die des nächsten Jahres es sein werden!"
lG Birgit
"Unsere heurigen Zahlen sind wesentlich besser, als die des nächsten Jahres es sein werden!"
lG Birgit
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